Bevor man auch nur einen Euro in Solarpanels steckt, braucht man zwei Zahlen:
- Wie viel Energie pro Tag (in Wattstunden, Wh) verbrauchen die Geräte? → bestimmt Akkugröße und Solarleistung.
- Wie viel Leistung gleichzeitig (in Watt, W) ziehen sie im Spitzenmoment? → bestimmt die Wechselrichtergröße.
Das sind zwei völlig verschiedene Dinge – und genau hier scheitern die meisten Bauchgefühl-Planungen. Ein Wasserkocher braucht wenig Energie, aber viel Leistung. Ein Kühlschrank ist genau umgekehrt.
Unsere Geräte
| Gerät | Leistung (Peak) | Typische Nutzung | Energie pro Tag |
|---|---|---|---|
| Kühlschrank (Kompressor) | ~100 W (Anlauf ~600 W) | läuft 24 h, taktet | 0,8–1,2 kWh |
| Wasserkocher | ~2000 W | 3 × 3 min | ~0,3 kWh |
| Kapselmaschine | ~1400 W | 4 Tassen à ~25 s | ~0,1 kWh |
| Induktionskochfeld (IKEA TILLREDA) | 2000 W (Stufe 9) | 1 Mahlzeit, ~20 min | ~0,4 kWh |
Die Werte sind Richtwerte für kompakte Geräte im Kleingarten. Miss deine eigenen Geräte mit einem Energiekostenmessgerät (Steckdosen-Messgerät, ~10 €) – gerade beim Kühlschrank schwankt der Verbrauch je nach Modell und Außentemperatur stark.
Der Kühlschrank ist die Grundlast
Der Kühlschrank ist das einzige Gerät, das durchläuft – auch nachts, wenn keine Sonne scheint. Er taktet: Der Kompressor springt an, kühlt, geht aus. Über den Tag summiert sich das im Sommer auf grob 0,8–1,2 kWh. Das ist der Sockel, den der Akku über Nacht halten muss.
Wichtig: Der Anlaufstrom des Kompressors ist kurz 5–7× höher als die Dauerleistung. Ein 100-W-Kühlschrank kann beim Einschalten kurz 600 W ziehen – der Wechselrichter muss diese Anlaufspitze abkönnen.
Wasserkocher, Kaffee, Induktion sind Leistungs-Spitzen
Diese drei brauchen wenig Energie, aber brutal viel Leistung. Ein Wasserkocher zieht 2000 W – aber nur 3 Minuten. Energetisch sind das nur ~0,1 kWh pro Kochvorgang. Das Problem ist nicht der Akku, sondern der Wechselrichter, der diese 2000 W liefern können muss.

Unser Philips-Wasserkocher (1,7 l): ~2000 W, aber nur für wenige Minuten – der klassische Leistungs-Spitzen-Verbraucher.
Die entscheidende Frage: Läuft etwas gleichzeitig?
| Szenario | Gleichzeitige Last |
|---|---|
| Nur Kühlschrank | ~100 W |
| Induktion + Kühlschrank | ~2100 W |
| Wasserkocher + Induktion (!) | ~4000 W |
| Kaffee + Wasserkocher (!) | ~3400 W |
Zwei 2000-W-Geräte gleichzeitig sprengen fast jede bezahlbare Inselanlage. Die einfachste Lösung kostet nichts: nacheinander benutzen. Erst Wasser kochen, dann die Pfanne auf die Induktion. Wer das diszipliniert macht, kommt mit einem ~2000–2400-W-Wechselrichter aus. Wer Puffer will, plant 3000 W.
Unser Kochfeld – ein konkretes Beispiel: Wir haben uns für das IKEA TILLREDA entschieden – 1 Zone, 2000 W bei Stufe 9, 220–240 V / 10 A, neun Kochstufen. Das zeigt eine Feinheit: 2000 W liegen knapp über der Dauerleistung mancher 1-kWh-Powerstations (die EcoFlow Delta 2 z. B. schafft nur 1800 W Dauer). Auf Stufe 9 wäre so eine Station also am Anschlag oder schaltet ab. Zwei Auswege: eine Stufe zurück (Stufe 7–8 reicht zum Kochen locker) oder gleich eine Station der 2400-W-Klasse bzw. eine DIY-Anlage mit 2000–2400-W-Wechselrichter. Die neun Stufen sind hier ein echter Vorteil – man kann die Last bewusst unter die Wechselrichter-Grenze legen.

Die TILLREDA im Einsatz: auf voller Stufe rund 2000 W – hier bringt sie einen Topf Wasser zum Kochen. Genau diese Dauerleistung muss die Stromquelle liefern.
Die Auslegung in Zahlen
Energie pro Tag (aktiver Sommertag)
Kühlschrank 1,0 kWh
Wasserkocher 0,3 kWh
Kapselmaschine 0,1 kWh
Induktion 0,4 kWh
────────────────────────
Summe ~1,8 kWh
+ Verluste (~20 %, Wechselrichter + Laden)
≈ 2,2 kWh pro Tag
Daraus folgt
| Komponente | Auslegung | Begründung |
|---|---|---|
| Wechselrichter | 2000–3000 W, reiner Sinus | 1 Hochlast-Gerät + Kühlschrank gleichzeitig, mit Anlaufreserve |
| Akku (nutzbar) | ~2 kWh (LiFePO4) | Kühlschrank über Nacht + Reserve für 1 trüben Tag |
| Solar | 600–800 Wp | ~2,2 kWh/Tag im Sommer bei ~4–5 Sonnenstunden nachladen |
Ein 12-V-System reicht theoretisch, aber bei 2000 W fließen dann ~170 A – dicke Kabel, teure Sicherungen, mehr Verluste. Ab ~2000 W Dauerlast ist 24 V die klügere Wahl (halber Strom, ~85 A).
Reiner Sinus ist Pflicht. Billige Wechselrichter mit „modifiziertem Sinus" mögen Induktionskochfelder und manche Kühlschrank-Elektronik gar nicht – von Brummen bis Nicht-Funktionieren. Nicht dran sparen.
Fazit
- Energie ist bei uns überschaubar: ~2,2 kWh/Tag. Ein ~2-kWh-Akku und 600–800 Wp Solar decken das im Sommer.
- Leistung ist der Knackpunkt: Der Wechselrichter muss 2000–3000 W reinen Sinus liefern, weil Wasserkocher und Induktion so hungrig sind.
- Die goldene Regel: Hochlast-Geräte nacheinander benutzen – das spart am meisten Geld.
Im nächsten Beitrag stellen wir die zwei Wege gegenüber, diese Anlage zu bauen: fertige Powerstation oder DIY-Komponenten.